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      Anton Diabelli  
       
     
Die III. Sonderausstellung im Stiftsmuseum war 1986 dem in Mattsee geborenen Anton Diabelli gewidmet, der als Musiker und Verleger in Wien eine außergewöhnliche Karriere gemacht hat.
Anton Diabelli

Nach mehrjährigen Bemühungen ist es heuer gelungen, ein Dokumentationszentrum einzurichten, um die Bedeutung Diabellis für die Musikkultur des 19. Jahrhunderts aufzuzeigen.
Diabelli war sich seines Ranges bewußt: 70jährig, im Jahr 1852, fasste er seine Lebenstätigkeit zusammen und betonte, wie sehr er bemüht gewesen sei, in "allen Fächern der musikalischen Komposition sein Bestes zu leisten".

 
       
       
       
       
       
       
       
       
       
     

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er mehr als 3000 Werke, "teils eigene im Fach der Kirchenmusik, dann viele für die Jugend zum Unterricht, wie auch Arrangierungen für alle Instrumente zur allgemeinen Zufriedenheit geliefert" und schließlich "den Ruf seines Verlages durch ganz Deutschland, Frankreich und England begründet". Mit großer Instinktsicherheit wusste Diabelli mit seinem Schaffen den vielfältigen musikalischen Bedürfnisse der Biedermeierkultur - der großen Zeit der Hausmusik - zu entsprechen.

 
  Anton Diabelli wurde am 5. September 1781 in Mattsee geboren. Der Vater, der Stiftsmusiker und spätere Mesner Nikolaus Diabelli, vermittelte ihm die ersten musikalischen Kenntnisse.  
  7jährig kam er als Sängerknabe in das Kloster Michaelbeuern, 1790 nach Salzburg in das Kapellhaus, wo Johann Michael Haydn die für Diabelli prägende Lehrerpersönlichkeit wurde. Neben Studien am Benediktinergymnasium in Salzburg und seit 1798 am Wilhelmsgymnasium in München setzte er die theoretische und praktische Musikausbildung kontinuierlich fort.
Mit 19 Jahren trat Diabelli in das Zisterzienserkloster Raitenhaslach ein, ging jedoch - nach der Aufhebung des Klosters - 1802 nach Wien, der "Hauptstadt der Musik". In Wien scheint Diabelli als Lehrer für Klavier und Gitarre rasch zu Ansehen gekommen zu sein, begann mit der Komposition von Stücken für den Unterricht und mit dem Arrangieren beliebter Kompositionen für das häusliche Musizieren. Durch Mitarbeit im Verlag der "Chemischen Druckerei" erwarb er sich Einblick in das Verlagswesen und veröffentlichte in kurzer Zeit mehr als 100 eigene Kompositionen und Arrangements. 1818 assoziierte sich Diabelli mit dem Verlag Peter Cappi und brachte die damals gängigen Stücke des italienischen Opernrepertoires auf den Markt - jeweils für die gewünschte Besetzung. 1824 eröffnete er seinen eigenen Kunst- und Musikalienverlag am Graben Nr. 1133.
 
  Mit wirksamer Werbung kommerzialisierte Diabelli seinen Betrieb und schaffte den Weg zur Spitze der Wiener Musikverleger, konnte eine Reihe von Verlagen aufkaufen und sein Angebot ständig erweitern. Eindrucksvoll belegen die Plattennummern der im Verlag Diabelli erschienenen Werke die enorme Produktivität seiner Offizin: Als sich Diabelli im Alter von 73 Jahren - nicht ganz freiwillig - vom Verlagsgeschäft zurückzog, hatte er mehr als 9000 Werke in seinem Verlagsprogramm, darunter den Großteil des Oeuvres von Franz Schubert, dessen Genie Diabelli frühzeitig erkannt und geschäftstüchtig genützt hatte.  
  Bereits 1819 war Diabelli mit einer Verlagsidee erfolgreich gewesen: Er wandte sich an die "vorzüglichsten Tonsetzer und Virtuosen Wiens und der k.k. österreichischen Staaten" und ersuchte sie, Variationen über einen von ihm komponierten Walzer zu schreiben. 1823 publizierte Diabelli dieses umfangreiche Werk unter dem stolzen Titel "Vaterländischer Künstlerverein". Unter den Komponisten befand sich neben dem jungen Franz Schubert und dem Wunderkind Liszt auch Beethoven, der jedoch statt einer, dreiunddreißig Variationen schrieb. Dieses als "Diabelli-Variationen" in die Geschichte eingegangene Opus 120 Beethovens ist eines der bedeutendsten Variationswerke überhaupt - ein Werk, von dem Diabelli in seiner Verlagsankündigung sagte, dass es "in seiner Art einzig ist und ... es auch bleiben wird".  
  Doch nicht bloß als Verleger, auch als Komponist wurde Diabelli von den Zeitgenossen geschätzt, vor allem seine Kirchenmusik wegen ihrer "leichten Eingänglichkeit und bequemen Ausführbarkeit". Diabellis Messen, darunter die berühmte, heute wieder regelmäßig aufgeführte "Pastoralmesse", ebenso die "Landmessen", Offertorien und Gradualien sind Beispiele einer Gattung, die der Popularisierung der nachklassischen Kirchenmusik dienen wollten.  
  Als besonders wertbeständig haben sich viele zwei- und vierhändige Klavierwerke Diabellis erwiesen. Sie bieten für den Unterricht ansprechendes, pädagogisch wertvolles Studienmaterial. Von den "Melodischen Übungsstücken im Umfang von fünf Tönen" über die "Jugendfreuden" und Sonatinen bis zu den reizvollen Sonaten verläuft der progressiv ansteigende technische und musikalische Schwierigkeitsgrad. Parallel dazu gab Diabelli Reihen von theoretischen und praktischen Lehrwerken heraus. Auch die Kammermusikwerke Diabellis werden heute wieder gern gespielt, namentlich die Sonaten für Flöte und Gitarre bzw. für Gitarre und Klavier, ebenso die Walzer und Ländler, die einen Eindruck vermitteln von der Kultur der Wiener Salons zur Zeit des Biedermeier. Weniger Erfolg hatte Diabelli mit seinen musikdramatischen Werken. Besser lag ihm der buffoneske Singspielton - davon konnten sich die Zuhörer in Mattsee bereits im Sommer des Vorjahres überzeugen.  
  Diabelli wurde für sein Lebenswerk mehrfach ausgezeichnet: Die Gesellschaft der Musikfreunde Wien und der Dommusikverein Salzburg ernannten ihn zum Ehrenmitglied, der Kaiser verlieh ihm den Titel eines "k.und k. Hofmusikalienhändlers". Im Alter von 76 Jahren starb Anton Diabelli am 8. April 1858 und wurde auf dem St. Marxer Friedhof beigesetzt. 
Neben dem Gedenkraum im Stiftsmuseum und dem "Diabelli-Sommer" mit Aufführungen von Werken Diabellis und seiner Zeitgenossen soll  auch ein wissenschaftlicher Akzent gesetzt werden: Vom  Forschungsinstitut für Salzburger Musikgeschichte wird das Verzeichnis der Werke Diabellis aktualisiert und Ende November 2006 in Buchform publiziert. Damit wird für Wissenschaft und Praxis ein Werkkatalog vorgelegt werden, der der Forschung neue Impulse verleihen und den Musikern, den Pädagogen aber auch den Musikliebhabern den Zugang zum Werk Diabellis erleichtern soll.
 
  Univ.-Prof. Dr. Gerhard Walterskirchen  
       
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